Alle Jahre wieder: Warenbestand und

„halbfertige“ Arbeiten

Die Bilanz wird immer auf einen bestimmten Zeitpunkt aufgestellt (auf den 31.12.) Das „richtige“ Leben richtet sich aber nicht nach diesem Datum. Daher müssen zum Bilanzstichtag ein evtl. vorhandener Warenbestand und die noch nicht fertigen Arbeiten bilanziert werden.

Der Warenbestand

Gezählt, gemessen und/oder gewogen werden Waren, aber auch Rohstoffe (z. B. Stahl), Hilfsstoffe (z. B. Lötmaterial, Büromaterial) und Betriebsstoffe (z. B. Heizöl).

Prinzipiell wird die Inventur zum Bilanzstichtag gemacht – eine Verschiebung um bis zu 10 Tage vor- oder nachher wird anerkannt.

Es gibt aber auch Erleichterungen:

  • vor- oder nachverlegte Inventur

Die Inventur darf 3 Monate nach vorne bzw. 2 Monate nach hinten verlegt werden.

Achtung: Hier ist eine recht komplizierte Ergänzungsrechnung notwendig.

  • permanente Inventur

Sie haben eine Lagerbuchführung mit einem Warenwirtschaftssystem? Dann können Sie die Inventur irgendwann im Jahr machen. Sie dient der Überprüfung der Richtigkeit Ihrer Lagerbuchhaltung und ist Pflicht!

  • Stichproben-Inventur

Auch hier ist eine permanente Lagerbuchführung Voraussetzung. Die statistischen Verfahren und die Mindest- Stichproben sind genau fest gelegt.

Prinzipiell ist wirklich jedes Wirtschaftsgut zu dokumentieren – heben Sie Ihre handschriftlichen Aufzeichnungen gut auf, der Prüfer will sie meist sehen!

Für bestimmte Güter gibt es Sonderregelungen – etwa für „Schüttgüter, gleichartige Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe“. Im Grundsatz wird mit dem Einkaufspreis bewertet. Ist dieser oder der Verkaufspreis der Ware gesunken, kann eine Abwertung auf den sog. „niedrigeren Teilwert“ gemacht werden. Gerade an dieser Stelle tobt oft der Kampf in der Betriebsprüfung.

Die „halbfertigen“ Arbeiten 

Insbesondere in der Bauwirtschaft und im Handwerk kommt es immer wieder vor, dass vor dem Stichtag begonnene Aufträge noch nicht ganz fertig sind – also unfertig

 „halbfertig“ ist hier also nicht wörtlich zu nehmen.

Diese Arbeiten sind in der Bilanz gemäß Handels – und Steuerrecht Gewinn erhöhend zu aktivieren. Für die Ausführung des Auftrages sind bereits Kosten entstanden (Lohn, Material), diese dürfen aber den Gewinn nicht mindern, weil auf der anderen Seite noch kein Umsatz für diesen Auftrag besteht (Abschlussrechnung noch nicht geschrieben).

Die Bewertung der „Halbfertigen“ hat also direkten Einfluss auf die Höhe Ihres Gewinns.

Halbfertige Arbeiten sind mit den bisher angefallenen Herstellungskosten (hier am Beispiel eines Installateur-Betriebs) zu bewerten.

Materialeinzelkosten (z. B. schon  gekaufte Ware (Badewanne, Waschbecken, Fliesen, etc.))

+ Fertigungseinzelkosten (schon geleistete Arbeitsstunden Ihrer Mitarbeiter)

+ Sondereinzelkosten der Fertigung (z. B. besondere Werkzeuge, die Sie nur für diesen Kunden brauchen)

+ angemessene Teile der Gemeinkosten

+ anteilige Abschreibung der eingesetzten Maschinen

            =  steuerliche Herstellungskosten

Die Ware ist mit dem Preis auf der Eingangsrechnung zu bewerten.

Die geleisteten Arbeitsstunden sind mit den angefallenen Kosten anzusetzen (also mit dem Stundensatz pro Mitarbeiter, der alle Personalkostenbestandteile enthält (incl. Arbeitgeberanteile zur Sozialversicherung!).

Sie sehen also: Die Bewertung der hier beschriebenen Positionen ist gar nicht so einfach.

Am Besten melden Sie sich v o r dem Bilanzstichtag und sprechen mit uns Ihre Bewertung durch. Nachher dürfen Inventur und halbfertige Arbeiten nicht mehr geändert werden!

KONTAKT

Frank-Michael Jänicke – Diplom Finanzwirt & Steuerberater, Geschäftsführer

EFFIZIENTA

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